Freitag, 29. April 2016

Ungünstiger Monitoring Zwischenbericht


Laut diesem Zwischenbericht gibt es doch eine Belastung des Grundwassers durch defekte Kanäle:
http://alles-dicht-in-nrw.de/Depot/Monitoring_11.2016_Zwischenergebnis.pdf


Und hier die Einschätzungen unserer Experten und Mitstreiter:


Prof. Dr. Hans-Werner Vohr, Toxikologe:


"Ich habe gerade den Zwischenbericht gelesen und bin entsetzt. Seit 30 Jahren arbeite ich als Wissenschaftler und habe etliche Diplomanden, Master und Doktoranden betreut.
Dieser „Zwischenbericht“ gibt nur Spielraum für willkürliche Auslegungen. Da werden Siedlungsgebiete mit mehrfach sanierten Kanalsystemen verglichen mit bisher vollkommen unkontrollierten Gebieten. Niemand kann daher sagen, ob und wie hoch dort Leitungsschäden sind.

Es geht aus dem Bericht nicht hervor, wie es mit der Bebauung aussieht (Mehrfamilienhäuser, Villen, Reihenhäuser usw.).
Sind in den Siedlungsgebieten Altenheime, Arztpraxen, Krankenhäuser, leben dort Familien, ältere Menschen?
Kein Wort zu diesen Strukturen.
Dabei werden die analysierten Stoffe ohnehin fast ubiquitär im Boden(wasser) gefunden.
Wichtig wäre auch die Info, in welchen Tiefen die Stoffe in welchen Mengen gefunden wurden, d.h. gibt es Abbaugradienten?
Außerdem gibt es mit Sicherheit ökotoxikologische Daten zu vielen der untersuchten Stoffe.
Von denen sollte also bekannt sein, wie sie sich im Boden verhalten, wie, wo und wie schnell sie abgebaut werden.
Aber kein Wort in dem „Zwischenbericht“.
Für eine vernünftige toxikologische Bewertung wären diese Punkte wichtig (was kommt tatsächlich im Grundwasser an). Und für die Eigentümer sowie die Behörden wäre wichtig, welche Leckage in dieser Hinsicht wirklich eine gesundheitliche Gefahr darstellt, Haarrisse oder Bruch?
In dieser Form taugt der „Zwischenbericht“ nur zur Panikmache und bildet eine Basis für Auslegung in jede Richtung.
In der Form und ohne weitere Differenzierung vollkommen sinnlos!"   30.11.2016


Daraus entstand dieser Dialog auf der "Alles dicht in NRW" Homepage.
Der wichtigste Punkt ist die Info, dass das Monitoring von Befürwortern der Dichtheitsprüfung beeinflusst wurde.
Beweise dafür finden wir als Laien in solchen Dingen leider nicht.

"Hugo Hütten 2016-12-20 12:39
Ist ein Immuntoxikologe wirklich der richtige Fachmann für unser Problem diesen IWW-Bericht zu widerlegen?

Werner Siegfried Genreith , Gründer der BI "Alles dicht in NRW" 2016-12-20 16:29
Ein Immuntoxikologe mag zwar kein Abwasserexperte sein. Aus seinem Fachgebiet aber kann er sehr wohl beurteilen, ob die Methodik zu verwertbaren Ergebnissen führen kann. Immerhin geht es um Gefahren aus Giftstoffen (Toxine) im Abwasser und deren Herkunft und Transport. Das hat sehr viel mit Toxikologie zu tun. Prof. Vohr wird aber sicher nicht beurteilen können, wie ein Rohr abzudichten ist.
Das Problem mit der Studie ist nicht das IWW. Das Problem sind die weiteren Auftragnehmer, die entscheidenden Einfluss auf die Studie nehmen:

• IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser Beratungs- und
Entwicklungsgesellschaft mbH (IWW),
• Hochschule Ostwestfalen-Lippe (HS OWL),
• Emscher Wassertechnik GmbH (EW),
• Institut für Energie- und Umwelttechnik e. V. (IUTA) und
• geo-idGmbH (geo-id)

Gerade die Hochschule OWL ist im Fachbereich Abwasser beispielsweise beeinflusst von entschiedenen Befürwortern der Dichtheitsprüfung. Und noch entscheidender für die Ergebnisse einer solchen Studie sind immer die Interessen des Auftraggebers. Der heißt Johannes Remmel und er wird die Deutungshoheit nicht aus der Hand geben."

Bei einem Treffen der Bürgerinitiativen "Alles dicht in NRW" in Dülmen im April 2017 kritisierte auch Prof. Dr. Hepcke  den Zwischenbericht.

Aus einer Pressemitteilung:
"Sowohl Norbert Meesters als auch Hanns-Jörg Rohwedder machten in ihren Statements deutlich, dass sie erst einmal die Ergebnisse der Untersuchung „Landesweites Monitoring über die Auswirkungen undichter privater Abwasserleitungen auf den Boden und das Grundwasser“ abwarten wollen.

Hierzu meldete sich sofort Prof. Dr. Hartmut Hepke (FH Münster) zu Wort und merkte an, dass dieses Monitoring mit lediglich 50 Prüfstellen keinesfalls landesweit sein könnte. Es würden auch jegliche fachlichen Grundlagen fehlen und die Untersuchung würde in keinster Weise wissenschaftlichen Grundsätzen entsprechen"

Außerdem fehlen präzise Informationen zur Bodenbeschaffenheit und der Art des Materials der Abwasserleitungen, so ein erfahrener Mitstreiter in einer Mail.
(April 2017)

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